Russische Staatsmedien sehen nach der Wahl das Ende des Trumpismus, chinesische Staatsmedien erwarten einen langen Machtkampf
RIA Nowosti sagt Europa mehr Druck aus Washington voraus, Xinhua und die Pekinger Zeitung Beijing News halten Trumps Einlenken für Taktik und 2028 für offen.
Staatsmedien in Russland und China lesen das Ergebnis der Kongresswahl unterschiedlich. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht.
Russland: Wahl gegen Trump, mehr Druck auf Europa. Die staatliche Agentur RIA Nowosti (Michail Katkow, 4. November, 12:06 Uhr MEZ) lässt Wladimir Wassiljew vom Institut für USA- und Kanadastudien der Russischen Akademie der Wissenschaften zu Wort kommen. Er nennt die Wahl ein Referendum über das Vertrauen in den Präsidenten: „Эти выборы были не за что-то или кого-то, а против него“ (Diese Wahl war nicht für etwas oder jemanden, sondern gegen ihn). Der Trumpismus habe keine Zukunft.
Der Kommentator Pjotr Akopow schreibt bei RIA Nowosti (5. November, 6:00 Uhr MEZ), Europa müsse nach der Wahl mit mehr Druck aus Washington rechnen. Trump könne die Lieferungen an Kiew verringern oder ganz stoppen. Die Hoffnung Europas auf einen „normalen“ Präsidenten ab 2029 sei vergeblich, denn auch die linken Demokraten seien keine Interventionisten.
China: Taktik statt Kurswende. Die staatliche Agentur Xinhua (4. November, 17:11 Uhr MEZ) zählt „vier Überraschungen“ der Wahl auf und erwartet, dass Trump in den verbleibenden zwei Jahren mit deutlich weniger Macht in der Defensive regiert. Unter Berufung auf eine Nachwahlbefragung von NBC schreibt Xinhua: „选民对两党看法都不好“ (Die Wähler sehen beide Parteien nicht positiv).
Liang Yabin, Professor an der Zentralen Parteischule der Kommunistischen Partei, schreibt in einem Kommentar der Zeitung Beijing News, nachgedruckt bei Sina (5. November), Trumps Einlenken nach der Wahl sei eine taktische Anpassung, keine Kurswende. Zwischen Weißem Haus und Kongress beginne ein Machtkampf, der eher zu lähmender Blockade führe. Die Präsidentschaftswahl 2028 sei nicht sicher in der Hand der Demokraten.
Die russischen Texte sehen also ein Ende des Trumpismus, die chinesischen eher die Fortsetzung des Streits um die Macht in Washington. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Staatsmedien und Autoren. Frühere Reaktionen aus Moskau und Peking stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.