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Leitartikel in Südkorea und Kommentare in Taiwan fürchten, dass Trump nach der Wahl außenpolitische Erfolge auf Kosten der Verbündeten sucht

Seouler Blätter warnen vor einem Gipfel mit Nordkorea als Befreiungsschlag, in Taiwan gilt der Kongress als freundlich, das Weiße Haus als Verhandler, chinesische Staatsmedien sehen nur einen Pendelschlag.

In Ostasien liest die Presse die Wahl vor allem mit Blick auf die eigene Sicherheit. Mehrere Leitartikel in Südkorea und ein Gastbeitrag in Taiwan ziehen dieselbe Linie: Im Inneren gebremst, könnte Trump dort handeln, wo der Kongress wenig mitredet, also in der Außenpolitik. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht.

Südkorea: Sorge vor einem Deal mit Nordkorea. Der Leitartikel der Wirtschaftszeitung Seoul Economic Daily (4. November, 16:01 Uhr MEZ) hält es für möglich, dass Trump einen Gipfel mit Nordkorea als Karte für eine Wende ausspielt. Das schlimmste Szenario für Seoul wäre, dass Nordkorea faktisch als Atommacht anerkannt wird und Sanktionen fallen. Für Handel und Investitionen in den USA steige die Unsicherheit.

Die Zeitung Seoul Shinmun (Leitartikel, 4. November, 15:06 Uhr MEZ) schreibt: „Ein Trump, der die Führung zurückgewinnen will, könnte unvorhersehbare Schritte unternehmen.“ Gespräche über die Übergabe des Oberbefehls im Kriegsfall und über U-Boote mit Atomantrieb könnten an Schwung verlieren. Seoul brauche eine Bündnisdiplomatie, die auch den Kongress einbezieht.

Der Leitartikel der Busan Ilbo (4. November, 21:10 Uhr MEZ) betont, dass Veto und Verordnungen beim Präsidenten bleiben. Weil die Demokraten bei der Weitergabe von Atomtechnik traditionell strenger seien, werde die Zustimmung zu den U-Booten schwieriger. Bei neuen Gesprächen zwischen Washington und Pjöngjang müsse Seoul eingebunden bleiben.

Taiwan: Kongress zugewandt, Weißes Haus verhandelt. In einem Gastbeitrag beim Portal UDN (4. November, 17:22 Uhr MEZ) warnt Wu Lin-kai, man solle vom neuen Kongress nicht zu viel erwarten. Trump behandle Waffenverkäufe an Taiwan als Verhandlungsmasse, nach dem Treffen mit Xi sei ein Verkauf ausgesetzt worden. Der Leitartikel der Economic Daily (4. November, 21:10 Uhr MEZ) erwartet für Trumps zweite Amtshälfte eine „stärkere Kontrolle durch den Kongress“ und rät Taipeh, Kontakte zu Abgeordneten beider Parteien auszubauen.

Gegenstimme aus China: Pendelschlag, stabile Beziehungen. Die staatliche Zeitung Global Times (Bericht mit Fachleuten, 4. November) deutet das Ergebnis als Pendeleffekt, nicht als Zustimmung zu den Demokraten. Die Experten erwarten lautere Töne zu Menschenrechten und Technologie, halten stabile Beziehungen aber für im Interesse beider Seiten. Das Staatsmedium zitiert Außenamtssprecherin Mao Ning, die Wahl sei eine innere Angelegenheit der USA.

Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Medien und Autoren. Weitere Pressestimmen stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.

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