Medien in Venezuela, Chile und Kolumbien erwarten nach der Kongresswahl keine Wende der US-Politik in Lateinamerika, aber mehr Kontrolle durch den Kongress
Befragte Fachleute sehen die Linie gegenüber der Region parteiübergreifend getragen und die Außenpolitik in der Hand des Präsidenten.
Medien in Lateinamerika fragen, was die Kongresswahl für die Politik der USA gegenüber der Region bedeutet. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht.
Venezuela: Kontinuität mit mehr Fragen. Das unabhängige Onlinemedium Efecto Cocuyo (Deisy Martínez, 5. November, 01:41 Uhr MEZ) hat Fachleute befragt. Kenneth Ramírez, Präsident des Venezolanischen Rates für Internationale Beziehungen (Covri), erwartet Anhörungen und Untersuchungen im Kongress, etwa zu venezolanischen Öleinnahmen auf Konten des US-Finanzministeriums. Trump könne in Caracas als geschwächt gelten, die Regierung dort könne härter verhandeln. Der frühere Diplomat Jesús Mazzei Alfonzo sagt: „la política hacia Venezuela se va a mantener porque es bipartidista“ (die Politik gegenüber Venezuela bleibt, weil sie von beiden Parteien getragen wird). Der Kongress werde aber mehr Rechenschaft verlangen.
Chile: Spielraum vor allem beim Haushalt. Radio BioBioChile (Jean Valencia, 5. November, 09:46 Uhr MEZ) stützt sich auf Material der Deutschen Welle. Maureen Meyer vom Washington Office on Latin America (WOLA) erwartet, dass die Demokraten den Haushalt des Heimatschutzministeriums prüfen und die Mittel der Einwanderungsbehörde ICE begrenzen wollen. In der Außenpolitik habe der Präsident aber viel Spielraum. Die Politologin Viviana García Pinzón vom Hamburger GIGA-Institut sieht beim Kampf gegen Drogen und organisierte Kriminalität einen Konsens beider Parteien. Ändern könnten sich eher die Methoden.
Kolumbien: Zölle bleiben, Gesprächspartner ändern sich. Die Zeitung La Nación aus Neiva (Caterin Manchola, 5. November, 07:06 Uhr MEZ) sammelt Stimmen. María Claudia Lacouture, Präsidentin der Kolumbianisch-Amerikanischen Handelskammer, sagt, die Wahl ändere allein nichts an der Politik der Regierung bei Zöllen, Handel und Sicherheit. Sie erwartet aber mehr Fragen zu Menschenrechten, Frieden und Arbeitsrechten und eine genauere Kontrolle der militärischen Zusammenarbeit. Politiker verschiedener Lager lesen das Ergebnis aus der eigenen Innenpolitik. Der frühere Innenminister Rodrigo Lara Restrepo mahnt: „La regla número uno de un gobernante es ser cauto de no dividir“ (Die erste Regel eines Regierenden ist, darauf zu achten, nicht zu spalten).
Gemeinsam ist den Texten, dass sie keinen Bruch der US-Politik gegenüber der Region erwarten, wohl aber mehr Kontrolle durch einen demokratischen Kongress. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Medien und der dort zitierten Fachleute. Weitere Pressestimmen stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.