Erdoğan hält ein Urteil über die Folgen der Kongresswahl für verfrüht, Seoul will Handelsfragen unabhängig vom Kongress regeln, Moskau schickt einen Gesandten nach Washington
Der türkische Präsident setzt auf Dialog mit Regierung und Kongress, Südkoreas Außenministerium auf ruhiges Management der Wirtschaftsfragen, Putins Gesandter Dmitrijew reist laut Reuters ins Weiße Haus.
Weitere Regierungen haben sich am Donnerstagvormittag zur Kongresswahl geäußert oder ihre Kontakte nach Washington fortgesetzt. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht.
Türkei: zu früh für ein Urteil. Präsident Recep Tayyip Erdoğan wurde auf dem Rückflug aus Südkorea gefragt, ob das Wahlergebnis die Beziehungen zur Türkei und die Nahostpolitik der USA verändert. Laut dem Portal Sondakika (5. November, 10:08 Uhr MEZ) sagte er: „Şimdiden köşeli cümleler kurmak herhalde biraz erken olacaktır.“ (Schon jetzt klare Aussagen zu treffen, wäre wohl etwas verfrüht.) Er hoffe auf positive Folgen für die Region und die Weltpolitik. Die Beziehungen der beiden NATO-Verbündeten stünden auf festem Fundament. Die Türkei werde den engen Dialog mit der US-Regierung und dem Kongress fortsetzen. So berichtet es auch die İstanbul Ticaret Gazetesi (10:15 Uhr MEZ).
Südkorea: Wirtschaftsfragen unabhängig vom Kongress. Park Du-soon, Sprecher des Außenministeriums, sagte in der regulären Pressekonferenz laut der Agentur Aju News (09:04 Uhr MEZ), Seoul wolle wichtige Wirtschafts- und Handelsfragen mit den USA „미 의회 구성과 무관하게“ (unabhängig von der Zusammensetzung des US-Kongresses) reibungslos regeln. Das Bündnis solle in enger Abstimmung mit Regierung und Kongress zu einer umfassenden strategischen Allianz ausgebaut werden. Investitionen koreanischer Unternehmen in den USA will die Regierung in Gesprächen mit Bundesregierung, Kongress und Bundesstaaten absichern. Das Präsidialamt hatte bereits zuvor erklärt, das Wahlergebnis berühre das Bündnis nicht.
Russland: erster Besuch nach der Wahl. Kirill Dmitrijew, Sondergesandter von Präsident Wladimir Putin, nimmt laut der Agentur Reuters, veröffentlicht bei Yahoo News (10:15 Uhr MEZ), am Donnerstag an einer Veranstaltung von First Lady Melania Trump im Weißen Haus teil und trifft Regierungsvertreter. Reuters beruft sich auf zwei Personen, die mit seinen Plänen vertraut sind. Es wäre laut Reuters der erste persönliche Kontakt zwischen Vertretern Russlands und der USA seit der Wahl. Themen seien humanitäre Fragen wie die Freilassung von Gefangenen und die Rückkehr ukrainischer Kinder zu ihren Familien sowie Wirtschaft. Eine Äußerung Dmitrijews oder des Kremls dazu enthält der Bericht nicht. Der Kreml hatte am Mittwoch erklärt, er hoffe, dass Trump seine Vermittlung fortsetzt.
Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Regierungsvertreter. Frühere Reaktionen stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.