Kanadas Premier Carney und Australiens Vizepremier Marles halten nach der Kongresswahl am Kurs gegenüber den USA fest
Ottawa bleibt bei Bezahlbarkeit und Diversifizierung des Handels, Canberra beim Bündnis mit Washington, Australiens Handelsminister sieht die Ablehnung der Zölle bestätigt.
Die Regierungen zweier enger US-Verbündeter haben sich am 5. November zur Kongresswahl geäußert. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht. Der neue Kongress tritt am 3. Januar 2027 zusammen.
Kanada: gleicher Schwerpunkt wie vor der Wahl. Premierminister Mark Carney sagte laut Global News (Rachel Morgan, 5. November, Nachmittag Ortszeit) vor Reportern, Kanada konzentriere sich weiter auf dieselben Themen wie vor der Wahl: Bezahlbarkeit, Chancen und Souveränität. Was in den USA geschehe, sei wichtig, Kanada bleibe aber bei seinen Zielen. Die Kernbotschaft sei die eines selbstbewussten Landes: „It’s a confident country moving forward“ (Es ist ein selbstbewusstes Land, das vorangeht). Kanada setze auf breiter aufgestellten Handel, etwa mit der EU. Laut dem Bericht hatte Carney schon am Dienstag gesagt, die Handelsgespräche mit den USA würden nach einem Telefonat mit Präsident Trump wieder aufgenommen. Oppositionsführer Pierre Poilievre (Konservative) forderte den Premier auf, seinen Spielraum für ein gutes Abkommen mit den USA zu nutzen. Ein Zoll auf Kanada sei eine Steuer für Amerikaner, sagte er.
Australien: Bündnis bleibt zentral. Vizepremier und Verteidigungsminister Richard Marles sagte laut der Agentur AAP (Illawarra Mercury, Andrew Brown, veröffentlicht 22:31 Uhr MEZ) im Sender ABC, der Sieg der Demokraten ändere nichts an Australiens Umgang mit Trump. Das Bündnis mit den USA sei heute so wichtig wie je. Die Lebenshaltungskosten spielten bei jeder Wahl eine Rolle. Handelsminister Don Farrell sagte der Australian Financial Review, die Niederlage der Republikaner bestätige die Haltung der Regierung gegen Trumps Zölle. Er wolle dem US-Handelsbeauftragten Greer sagen, die USA sollten ihre Strategie überdenken. Senatorin Bridget McKenzie von der oppositionellen Nationals meinte dagegen, bei einer Zwischenwahl in Australien würde es Premierminister Albanese wohl ähnlich ergehen.
Beide Regierungen betonen, ihr Kurs gegenüber Washington hänge nicht von den Mehrheiten im Kongress ab. Die Opposition in beiden Ländern liest das Ergebnis vor allem als Absage an Zölle oder an die Regierenden. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Politiker. Frühere Reaktionen aus Kanada und anderen Ländern stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.