Wadephul, Kallas, Barrot, Burnham und Sheinbaum reagieren auf die Wahl zwischen Hoffnung auf eine Wende und Abwarten
Berlin und Brüssel hoffen auf neue Initiativen zur Ukraine, Paris und Wien mahnen mehr Eigenständigkeit Europas an, Mexiko will abwarten.
Am Nachmittag des 4. November 2026 haben sich weitere Regierungen zum Ergebnis der Kongresswahl geäußert. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht. Die Linien gehen auseinander: Einige Regierungen hoffen auf neue Initiativen, andere betonen Europas eigene Stärke, Mexiko will abwarten.
Deutschland: Kontinuität und Wandel. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte laut ZDFheute (14:48 Uhr MEZ) in Berlin, für Deutschland bedeute das Ergebnis zunächst Kontinuität: „Gleichzeitig bedeuten diese Wahlen einen Wandel.“ Die Demokraten würden versuchen, den Kurs der USA zu ändern. Er rechnet mit neuen Gesprächen über beide Parteien hinweg zur Unterstützung der Ukraine. Die Bundesregierung bleibe mit Regierung und Kongress in engem Kontakt. Laut der Agentur AFP bei der Korea Times (16:44 Uhr MEZ) sieht er auch eine Chance für neue Initiativen, etwa im Nahen Osten. Von Bundeskanzler Merz fand sich bis etwa 17:30 Uhr MEZ keine Äußerung.
EU: mehr Druck auf Russland. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte laut der Agentur LaPresse (16:32 Uhr MEZ) auf eine Frage bei einer Pressekonferenz, sie hoffe, der neue Kongress unterstütze die Ukraine weiter und erhöhe den Druck auf Russland: „Europe and the United States are much stronger together“ (Europa und die USA sind gemeinsam viel stärker).
Frankreich: gute Nachricht, aber Europa stärken. Außenminister Jean-Noël Barrot nannte den Sieg der Demokraten laut AFP bei L’essentiel (16:24 Uhr MEZ) „une excellente nouvelle pour la démocratie américaine“ (eine ausgezeichnete Nachricht für die amerikanische Demokratie). Zugleich warnte er davor, den Aufbau eines stärkeren Europas aufzugeben.
Großbritannien: Lebenshaltungskosten im Mittelpunkt. Premierminister Andy Burnham sagte laut AFP bei der Korea Times, Trump habe das Ergebnis anerkannt. Die Welt habe nun die Chance, sich um das Thema zu sammeln, das alle betreffe: die Lebenshaltungskosten.
Polen: Rat zum Veto. Ministerpräsident Donald Tusk sagte laut Rzeczpospolita (12:22 Uhr MEZ) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tschechiens Premier Babiš, in den USA habe die Demokratie gewonnen. Trump bleibe Präsident. Sein Rat an ihn: „Moja rada byłaby żeby nie nadużywać weta, jako metody rządzenia.“ (Mein Rat wäre, das Veto nicht als Methode des Regierens zu missbrauchen.)
Österreich: außergewöhnlich deutlich. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) nannte die Machtverschiebung laut der Agentur APA bei news.at (14:05 Uhr MEZ) im Ö1-Mittagsjournal außergewöhnlich, weil sie so deutlich sei. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) schrieb auf X, Sicherheit und Wohlstand Österreichs und Europas dürften nicht davon abhängen, wie Menschen in Kansas oder Iowa wählen. Europa müsse seine eigenen Fähigkeiten stärken.
Mexiko: abwarten. Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte laut Proyecto Puente (16:19 Uhr MEZ) in ihrer Morgenpressekonferenz, das Ergebnis spiegle den Willen der Amerikaner. Sie hob die Demokraten mexikanischer Herkunft Xavier Becerra (Kalifornien) und Gina Hinojosa (Texas) hervor. Ob sich die Beziehungen ändern, sei offen: „hay que esperar“ (man muss abwarten). Mexiko setze auf Souveränität und Zusammenarbeit bei Handel und Sicherheit.
Von Frankreichs Präsident Macron, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, NATO-Generalsekretär Rutte, Kanadas Premier Carney, dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und Brasiliens Präsident Lula fanden sich bis etwa 17:30 Uhr MEZ keine Äußerungen zum Ergebnis. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Regierungen. Die Reaktionen vom Vormittag stehen unter Meldungen, was der neue Kongress ab Januar kann, im Ablauf.