Tschechiens Premier Babiš erwartet Lähmung in Washington, weitere Regierungen in Europa, Afrika und Asien reagieren auf die Wahl
Belgiens Verteidigungsminister hält die USA für kaum regierbar, Spaniens Außenminister und Südafrikas Präsident sehen eine Wende, Taiwan und London betonen Kontinuität.
Bis zum Mittag des 4. November 2026 haben sich weitere Regierungen zum Ergebnis der Kongresswahl geäußert. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht. Mehrere Äußerungen stammen aus einer Übersicht der Agentur Reuters, veröffentlicht bei Internazionale (11:30 Uhr MEZ). Die Lesarten gehen auseinander: Einige Regierungen erwarten Stillstand in Washington, andere eine Wende, wieder andere betonen, dass ihre Beziehungen zu den USA bleiben.
Tschechien: Lähmung bis zum Ende der Amtszeit. Ministerpräsident Andrej Babiš nannte den Sieg der Demokraten laut Reuters erwartet, aber groß. Bis zum Ende von Trumps Amtszeit werde es um Amtsenthebung, Vetos und eine gewisse Lähmung gehen. Trump werde aber weiter tun, was er wolle. Babiš hofft, dass Trump zu seinem Versprechen zurückkehrt, den Krieg in der Ukraine zu beenden und den Konflikt um die Straße von Hormus zu lösen.
Belgien: kaum regierbar. Verteidigungsminister Theo Francken schrieb laut Reuters auf X: „Governing in the United States will be almost impossible in the coming years“ (Regieren in den USA wird in den kommenden Jahren fast unmöglich sein). Als Grund nannte er die tiefe Spaltung. Als europäischer Politiker schaue er vor allem auf Handel, Hilfe für die Ukraine und die NATO.
Frankreich: Blick auf die Benzinpreise. Finanzminister Roland Lescure sagte laut Reuters im Sender BFM TV, Trump könne entweder anerkennen, dass Änderungen nötig seien, vor allem bei den Benzinpreisen, und sein internationales Engagement zurückfahren, oder nicht. Das müsse man in den kommenden Tagen beobachten.
Spanien: Die Welle soll weitergehen. Außenminister José Manuel Albares sprach laut der Agentur Europa Press bei Infobae (10:15 Uhr MEZ) in Madrid vor einem Treffen iberoamerikanischer Außenminister: „Estamos ante una victoria de dimensiones históricas“ (Wir stehen vor einem Sieg historischen Ausmaßes). Er sei überzeugt, dass die Welle in Spanien weitergehe, wo am 29. November dasselbe auf dem Spiel stehe. Ministerpräsident Sánchez hatte sich zuvor ähnlich geäußert.
Polen: Spitze gegen Musk. Außenminister Radosław Sikorski teilte laut Rzeczpospolita (10:58 Uhr) nach der Wahl erneut einen Beitrag an Elon Musk vom Juni 2025 auf X: „Widzisz, wielki człowieku, polityka jest trudniejsza, niż ci się wydawało“ (Siehst du, großer Mann, Politik ist schwieriger, als du dachtest).
Südafrika: eine neue Ära. Präsident Cyril Ramaphosa sagte laut Reuters vor Reportern, das Ergebnis leite eine neue Ära in den Beziehungen der Welt ein. Das amerikanische Volk habe gesprochen.
Taiwan: Kontakte zu beiden Parteien. Außenamtssprecher Hsiao Kuang-wei sagte laut der Agentur dpa bei Yahoo (10:18 Uhr MEZ), Taiwan pflege seine Beziehungen zu den USA seit jeher über Parteigrenzen hinweg. Das Ministerium beobachte die Wahl weiter und wolle die Zusammenarbeit bei Sicherheit, Handel und Technologie vertiefen.
Großbritannien: Die Beziehung bleibt. James Frith, Minister im Gesundheitsressort, sagte laut dem Portal Brit Brief (8:47 Uhr MEZ) im Sender Times Radio, es sehe nach einer gewaltigen Nacht für die Demokraten aus. An der Beziehung der britischen Regierung zu den USA ändere das nichts, sie bleibe sehr stark.
Von Bundeskanzler Merz, Frankreichs Präsident Macron, der EU-Kommission, der NATO, Kanadas Premier Carney, dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und den Regierungen Israels, der Türkei, Indiens und der Golfstaaten fanden sich bis etwa 12:20 Uhr MEZ keine Äußerungen zum Ergebnis. Mexikos Präsidentin Sheinbaum gibt ihre Morgenpressekonferenz um 14:30 Uhr MEZ. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Regierungen. Die ersten Reaktionen vom Vormittag stehen unter Meldungen, der Stand der Auszählung beim Senat und beim Repräsentantenhaus.