Presse in Italien, Südkorea, Mexiko und Deutschland erwartet, dass Trumps Zölle trotz des Wahlergebnisses bleiben
Wirtschaftsberichte sehen kaum Entlastung im Handel, Mexiko rechnet mit mehr Druck, einige Analysten sehen für Japan und Südkorea mehr Spielraum.
Nach den Projektionen, nach denen die Demokraten beide Kammern des Kongresses gewinnen, fragen Medien in mehreren Ländern am Vormittag des 4. November 2026 nach den Folgen für den eigenen Handel. Die vorherrschende Linie: Trumps Zölle bleiben, weil der Präsident seine Befugnisse behält und ein Veto einlegen kann. Unterschiede zeigen sich bei der Frage, ob Handelspartner nun mehr Spielraum bekommen. Ein amtliches Endergebnis der Wahl gibt es noch nicht.
Italien: Zollobergrenze und Stützpunkte unverändert. Das Portal Virgilio Notizie (Maurizio Perriello, 10:08 Uhr MEZ) schreibt, die seit Juli 2026 geltende Obergrenze von 15 Prozent für die meisten Exporte aus der EU bleibe. Der Sieg der Demokraten hebe bestehende Zölle nicht auf, der Kongress könne aber versuchen, einzelne Handelsinstrumente per Gesetz einzuschränken. Auch die Nutzung der US-Stützpunkte in Italien regelten weiter zweiseitige Abkommen: „Gli accordi bilaterali continuano a disciplinare l’utilizzo delle infrastrutture“ (Die bilateralen Abkommen regeln weiterhin die Nutzung der Einrichtungen).
Südkorea: Druck bleibt. Die Agentur News1 (Lee Jung-hyun, Kim Seung-joon, Shim Seo-hyun, 9:12 Uhr MEZ) erwartet, dass der Zolldruck auf Südkorea nicht verschwindet. Ein Gesetz gegen die Zölle brauche eine Zweidrittelmehrheit, weil Trump sein Veto einlegen könne. Die zugesagten Investitionen von 350 Milliarden Dollar in den USA gingen voraussichtlich weiter, das Flüssiggasprojekt in Alaska könne aber ins Stocken geraten.
Mexiko: eher mehr Druck. El Financiero (Héctor Usla, Valeria López, Jassiel Valdelamar, 4. November) stellt Mexiko in der Überschrift als Verlierer dar, im Text spricht die Zeitung von unterschiedlichen Folgen. Befragte Fachleute erwarten, dass die Demokraten bei Grenzsicherheit, Kriminalität und Korruption härter auftreten könnten. Trump behalte bei der Überprüfung des Handelsabkommens USMCA seine Befugnisse bei Zöllen. Der Analyst George I. González sagt dort: „México está en una situación muy precaria“ (Mexiko ist in einer sehr prekären Lage).
Japan, Südkorea, Indien, China: etwas mehr Spielraum. Ein Bericht mit Agenturmaterial bei der in London erscheinenden The New Arab (11:00 Uhr MEZ) sieht dagegen mehr Raum für Handelspartner. Japan und Südkorea könnten bei ihren Investitionszusagen von 550 und 350 Milliarden Dollar weniger unter Druck geraten, andere warnen laut dem Bericht vor noch mehr Druck auf Verbündete. Indien dürfte abwarten. China könne Trumps Schwäche in Verhandlungen nutzen, doch die Ökonomin Alicia Garcia-Herrero (Natixis) sagt: „Democrats are unlikely to give Trump free rein on deals with Beijing.“ (Die Demokraten werden Trump bei Geschäften mit Peking kaum freie Hand lassen.)
Deutschland: Politik per Anordnung. Daniel Friedrich Sturm schreibt in einem Kommentar im Tagesspiegel (9:39 Uhr MEZ), wer auf einen Politikwechsel hoffe, werde enttäuscht: „Der Präsident macht Politik mit präsidialen Anordnungen.“ Er erwartet eine rücksichtslosere Außenpolitik, etwa auf Kosten der Ukraine.
China: Staatsmedien ohne Bezug zum eigenen Land. Die staatliche Agentur Xinhua (Xiong Maoling, Xu Jianmei, 9:44 Uhr MEZ) titelt, die Demokraten hätten den Kongress zurückerobert und Trumps Regierung stehe unter schwerem Druck. Sein Spielraum werde in den nächsten zwei Jahren deutlich kleiner. Folgen für China nennt der Bericht nicht.
Es sind Einschätzungen der Medien und der dort zitierten Fachleute. Einig sind sie sich, dass die Zölle vorerst bleiben. Uneins sind sie, ob Handelspartner nun mehr Spielraum bekommen oder mehr Druck spüren. Was der neue Kongress ab Januar kann, steht im Ablauf, weitere Stimmen aus dem Ausland unter Meldungen.