In Israel und Brasilien schweigen die Regierungschefs zur Wahl, Politiker beider Länder lesen das Ergebnis aus der eigenen Innenpolitik
Israels Opposition fordert nach dem Sieg der Demokraten Netanjahus Rücktritt, in Brasilien deuten Minister und Abgeordnete des Regierungslagers Trumps Niederlage als Signal für das eigene Land.
Am 4. November 2026 haben sich weder Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zum Ergebnis der Kongresswahl geäußert. Grundlage sind Projektionen, nach denen die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus gewinnen. Ein amtliches Endergebnis gibt es noch nicht. In beiden Ländern nutzen andere Politiker das Ergebnis für Debatten im eigenen Land.
Israel: Opposition fordert Rücktritt. Netanjahu schwieg laut der Agentur Reuters (12:08 Uhr MEZ) bisher zum Ausgang der Wahl, sein Büro beantwortete eine Anfrage nicht. Oppositionsführer Yair Lapid schrieb laut Reuters, Netanjahus Verbleib im Amt gefährde Israel: „It endangers our security, it jeopardises our democracy“ (Es gefährdet unsere Sicherheit, es gefährdet unsere Demokratie). Yair Golan, Chef der Partei Die Demokraten, schrieb auf X, das Ergebnis zeige, wie toxisch Netanjahu bei Demokraten wie Republikanern sei. Der Abgeordnete Gilad Kariv sagte laut Yeni Şafak (13:52 Uhr MEZ, nach der Agentur Anadolu): „He must not continue to lead the State of Israel.“ (Er darf den Staat Israel nicht weiter führen.) Netanjahu habe die Beziehungen zu den Demokraten und zur Hälfte der Republikaner zerstört.
Brasilien: Regierungslager sieht ein Signal. Laut Sem Pauta (15:28 Uhr MEZ) gab der Präsidentenpalast keine Stellungnahme ab, Lula und Vizepräsident Geraldo Alckmin hatten das Ergebnis bis dahin nicht kommentiert. José Guimarães, Minister für institutionelle Beziehungen, schrieb auf X: „Derrota de Trump é uma vitória do mundo democrático.“ (Trumps Niederlage ist ein Sieg der demokratischen Welt.) Der Regierungsführer im Kongress, Senator Randolfe Rodrigues (PT), und mehrere Abgeordnete des Regierungslagers verbanden das Ergebnis mit Lula und mit der Familie Bolsonaro. Auch Renan Santos von der rechten Partei Missão kritisierte Trump und dessen Nähe zu Bolsonaros Lager. Stimmen der Familie Bolsonaro zum Ergebnis führt der Bericht nicht an.
In beiden Ländern äußern sich bisher vor allem Politiker, die das Ergebnis gegen innenpolitische Gegner wenden, nicht die Regierungschefs. Es sind die Sichtweisen der jeweiligen Politiker. Weitere Reaktionen von Regierungen stehen unter Meldungen, der Stand der Auszählung beim Senat und beim Repräsentantenhaus.