Merz und der Kreml erwarten von der Kongresswahl keinen Kurswechsel der USA
Was Regierungen in Berlin, Moskau, Warschau und Ottawa vor der Wahl sagen, Stand 2. November 2026.
Mehrere Regierungen haben sich in den Tagen vor der Kongresswahl geäußert. Bundeskanzler Friedrich Merz und der Kreml gehen davon aus, dass sich die Politik der USA durch die Wahl nicht grundlegend ändert. Polen und Kanada richten ihre Verhandlungen mit Washington am Wahltermin aus.
Deutschland. Merz sagte am 30. Oktober in Seoul auf eine Frage, er wolle über den Ausgang der Wahl nicht spekulieren. „Ganz unabhängig vom Ausgang dieser Wahlen“ würden die USA ihre Außen- und Außenwirtschaftspolitik ändern und ihre Interessen neu bestimmen. Dann müsse Deutschland das auch tun. Laut Reuters warb Merz auf seiner Asienreise für Freihandelsabkommen und eine neue globale Handelsallianz. Deutschland und Europa müssten zudem in der Verteidigung mehr tun (Reuters über onvista, 30. Oktober 2026, 9:20 Uhr MEZ).
Russland. Kremlsprecher Dmitri Peskow erwartet nicht, dass die Wahl die Haltung der USA gegenüber Russland ändert. Das gab NBC-Reporter Keir Simmons nach einem Gespräch mit Peskow im Sender wieder. Laut der Nachrichtenagentur Interfax rechnet Peskow damit, dass Politiker in den USA und der EU weiter auf ihren Forderungen bestehen. Für einen Kompromiss verheiße das nichts Gutes (Interfax, 30. Oktober 2026, 2:20 Uhr MEZ). Eine direkte Erklärung des Kremls liegt dazu nicht vor. Interfax ist eine private Agentur, kein Staatsmedium.
Polen. Außenminister Radosław Sikorski sagte der Agentur PAP, die Entscheidung über einen ständigen US-Stützpunkt in Polen liege bei den USA. Er wünsche sich, dass sie vor der Kongresswahl fällt, weil Politiker vor Wahlen eher zu Zugeständnissen bereit seien. Zugleich warnte er davor, sich zu sehr auf eine US-Regierung zu verlassen (Rzeczpospolita, 20. Oktober 2026).
Kanada. Premierminister Mark Carney bestätigte am Sonntag, dem 1. November, ein Telefonat mit Trump. Beide wollten auf jüngsten Gesprächen über ein Handelsabkommen aufbauen. Die Teams sollten in den kommenden Wochen daran arbeiten, Kanadas Sprachen, Kultur und Souveränität müssten gewahrt bleiben. Global News liest daraus, dass es vor der Wahl am Dienstag keine Einigung geben wird (Global News, 1. November 2026).
Die Stimmen unterscheiden sich im Ton: Berlin will mit eigenen Handelsabkommen reagieren, Moskau sieht wenig Spielraum für einen Kompromiss. Warschau will den Wahlkampf für eine Zusage nutzen. Was Diplomaten bei EU und NATO erwarten, steht unter Meldungen. Die Prognosen für beide Kammern stehen beim Senat und beim Repräsentantenhaus.