Chinesische Staatsmedien sehen in der Kongresswahl Possen, europäische Kommentare ein Urteil über Trump
Wie Xinhua, Rossijskaja Gaseta, die taz und Vatican News die Wahl kurz vor dem Termin deuten, Stand 2. November 2026.
Kurz vor der Kongresswahl deuten Medien in China, Russland und Europa dieselbe Wahl unterschiedlich. Chinesische Staatsmedien sehen darin ein Zeichen für ein gespaltenes politisches System. Europäische Kommentare sehen vor allem ein Urteil über Präsident Trump. Die russische Staatszeitung Rossijskaja Gaseta stellt Trump persönlich als geschwächt dar.
China. Die Staatsagentur Xinhua überschreibt einen Bericht ihres Reporters Gao Shan aus Los Angeles mit dem Wort „Possen“. Der Text reiht Streitfälle aus dem Wahlkampf aneinander: einen Werbespot in Ohio, den Kandidaten mit gleichem Namen in Alaska, die teure Kampagne in Texas mit Ausgaben von mehr als 500 Millionen Dollar und einen Streit um Kriegsorden in Nevada. Die Wahl werde so zu einem Spiegel der „politischen Polarisierung und gesellschaftlichen Zerrissenheit“ der USA. Um Inhalte geht es kaum (Xinhua über China Daily, 2. November 2026, 0:27 Uhr MEZ).
Russland. Die staatliche Rossijskaja Gaseta titelt „Trump hat angefangen, müde zu werden“. Autor Maxim Makarytschew verweist auf mehr als 50,5 Millionen vorzeitig abgegebene Stimmen, fast 5 Millionen mehr als 2022. Darunter seien 10,7 Millionen registrierte Demokraten und 7,8 Millionen registrierte Republikaner. Als Gründe für den Gegenwind nennt er Preise für Lebensmittel und Benzin, den Krieg mit dem Iran und Sorgen über Korruption. Die Ukraine und Russland kommen in dem Text nicht vor (Rossijskaja Gaseta, 1. November 2026, 5:20 Uhr MEZ).
Deutschland. taz-Chefredakteurin Barbara Junge schreibt in einem Essay, die Chancen der Demokraten beruhten weniger auf eigener Stärke als auf der Schwäche der Republikaner. Trump sei „mehr zur Belastung denn zur Stärke seiner Partei geworden“. Seine Versprechen zu Zöllen, Inflation und einem Ende der Kriege habe er nach ihrer Einschätzung nicht eingelöst (taz, 1. November 2026, 20:12 Uhr).
Vatikan. Francesco Citterich nennt die Wahl bei Vatican News ein „politisches Referendum“ über das Verhältnis von Innen- und Außenpolitik der Regierung Trump. Der Krieg mit dem Iran, die Lage in der Ukraine und die Spannungen mit Europa machten sie über die USA hinaus bedeutsam. Auch Moskau und Peking verfolgten die Wahl genau. Eine Niederlage würde Trumps Spielraum nach seiner Einschätzung einschränken, wäre aber nicht automatisch eine Absage an ihn (Vatican News, 1. November 2026, 9:30 Uhr).
Der Gegensatz liegt im Blickwinkel: Xinhua beschreibt das System, die europäischen Texte die Person Trump und die Folgen für andere Länder. Alle Texte sind Einschätzungen der Autoren, keine Regierungserklärungen. Xinhua und Rossijskaja Gaseta sind Staatsmedien. Die Prognosen für beide Kammern stehen beim Senat und beim Repräsentantenhaus.